Stories!

17. Juli 2020

Drei Dinge, die ich gern vor meinem Studium gewusst hätte

Hinterher ist man immer schlauer. Das ist ganz natürlich. Wir probieren Dinge aus, sammeln neue Erfahrungen, setzen uns hier und da mal in die Nesseln und lernen, wie wir es beim nächsten Mal besser machen können. Dieser Prozess ist wichtig für unsere Entwicklung und ich möchte niemanden daran hindern, sich selbst auszuprobieren und eigene Fehler zu machen. Manchmal sind es jedoch keine klassischen „Fehler“, sondern bestimmte Denkmuster, die uns das Leben unbewusst schwer machen – und deren Problematik uns erst in der Retroperspektive klar wird. Daher möchte ich in diesem Artikel drei Erkenntnisse mit euch teilen, die mir persönlich viele Strapazen erspart hätten, wenn ich sie schon vor meinem Studium gewonnen hätte:

1. Lebe DEIN Leben. Unabhängig von äußeren Erwartungen, Normen und Konventionen.

Gerade in unserer Jugend werden wir in der Regel stark durch unser soziales Umfeld geprägt: etwa durch unser Elternhaus, unsere FreundInnen, unsere Schulklasse – und nicht zuletzt die Gesellschaft im Allgemeinen. Bei all den auf uns einprasselnden Erwartungen ist es manchmal schwer, einen klaren Blick für das zu bewahren, was wir selbst wollen. Und wer wir selbst sind. Wir tendieren dazu, uns leiten zu lassen. Vielleicht würdest du zum Beispiel gern Geschichte studieren, tust es aber nicht, weil man damit angeblich nur TaxifahrerIn wird? Oder du hast an Psychologie gedacht, willst aber deine Eltern nicht enttäuschen, die auf eine Übernahme ihrer Zahnarztpraxis hoffen?

Mein Learning:

Wenn du dich zu sehr auf dein Außen fokussierst, verlierst du nach und nach den Kontakt zu deinem inneren Kern und wirst dir selbst untreu. Du kommst früher oder später an den Punkt, an dem du denkst: „Was wäre, wenn ...?“ und unglücklich auf die Situation blickst, in die du hineingeraten bist. Daher solltest du in deiner Studienzeit unbedingt auch ausreichend Zeit fürs Selbststudium, also die tiefgehende Auseinandersetzung mit deiner eigenen Persönlichkeit, einplanen: Mach dich mit all deinen individuellen Facetten vertraut und lerne, auf dich selbst zu hören.

Mein Tipp:

Betreibe echtes Projektmanagement! So, wie du es auch für jeden Vortrag und jede Klausur in der Uni tust, erfordern auch unsere privaten Handlungen und Entscheidungen eine bewusste Vorbereitung und Auseinandersetzung mit den relevanten Inhalten: in diesem Fall also mit unserer Persönlichkeit. Bevor du eine Entscheidung übereilt triffst – und zum Beispiel in eine 6er-WG ziehst, obwohl du eigentlich ein sehr innen- und ruheorientierter Mensch bist – nimm dir die Zeit für eine konzentrierte Innenschau. Wie du dabei am besten vorgehst, kannst du im ersten Teil unseres Artikels „Welches Studium passt zu mir?“ nachlesen.

2. Du musst in den ersten Semestern noch nicht genau wissen, was und wo du nach deinem Studium arbeiten wirst.

Da hat man sich gerade mit Ach und Krach zu einer Entscheidung für einen der tausend verschiedenen Studiengänge durchgerungen, und schon wird man mit den nächsten unliebsamen Fragen konfrontiert: „Und, was willst du damit später machen?!“ Für mich als Geisteswissenschaftlerin gehörte diese Frage quasi zu meinem täglich Brot. Und gleichzeitig versetzte sie mir jedes Mal einen kleinen bis mittelgroßen Stich: Schließlich wusste ich, dass ich es nicht wusste. Ich fühlte mich jedes Mal wie auf dem Prüfstand, wenn die ach-so-zukunftssicheren Medizin- oder Lehramtsstudenten mich mit ihren kritischen Blicken musterten. „Als Geisteswissenschaftlerin musst du dich früh spezialisieren – sonst winkt die Arbeitslosigkeit!“ Wow. Vielen Dank für so viel Empathie und die motivierenden Worte.

Mein Learning:

Während des Studiums noch nicht genau zu wissen, wo es beruflich einmal hingehen soll, ist kein Manko. Im Gegenteil: Es zeugt meines Erachtens nicht nur von Offenheit, sondern auch von einer realistischen Einschätzung seiner selbst. Schließlich stehst du nach der Schule noch ganz am Anfang deines selbstständigen, selbstbestimmten Lebens und wirst dich in den nächsten Jahren noch stark weiterentwickeln. Natürlich gibt es Menschen, die schon in der Schulzeit sicher sind, dass sie ihr Leben lang als Arzt oder Lehrer arbeiten möchten. Gerade diejenigen, die gern flexibel und unabhängig bleiben, vielseitig interessiert sind und häufig Abwechslung brauchen, werden ihre Zukunftspläne jedoch im Verlauf ihres Lebens voraussichtlich häufiger ändern, bzw. neu hinterfragen und dynamisch anpassen – und dann umso dankbarer auf ihre Entscheidung zurückblicken, sich damals nicht auf einen Beruf festgelegt zu haben.

Mein Tipp:

Wenn du dich in der Beschreibung gerade wiedererkannt hast, ist es für dich die beste Strategie, dich offen auf deinen Weg zu begeben und darauf zu vertrauen, dass du intuitiv und step by step deinen Platz in der Berufswelt finden wirst. Auf dieser Reise sind vor allem Praktika, Werkstudententätigkeiten oder andere Nebenjobs hilfreiche Ergänzungen zum Studium: Durch die praktischen Einblicke wirst du nach und nach zu mehr Sicherheit und Klarheit finden, in welche Richtung es für dich gehen kann.

Und falls es dich dennoch triggert, ständig nach deinen beruflichen Plänen befragt zu werden, kannst du dem schlicht entgegnen: „Ich genieße im Moment, dass mir so viele Optionen offenstehen und lebe erst einmal im Augenblick. Wie bei einer längeren Reise: Hier will ich ja auch nicht jeden Stopp und jede Unterkunft Jahre im Voraus buchen, sondern flexibel schauen, was mir gut gefällt, wo ich bleiben möchte oder wohin es als nächstes gehen soll.“

3. Erfolg ist maßgeblich von deinen Gedanken und deinem Selbstwert abhängig.

Wie wichtig das persönliche „Mindset“ für deinen Erfolg ist, hörst bzw. liest du hier sicher nicht zum ersten Mal. Schließlich erlebt das Thema gerade einen regelrechten Hype. Wenn du dir bis jetzt dachtest „Das klingt ja ganz nett, aber was für einen Unterschied soll es schon machen, was ich denke?“, dann geht es dir ähnlich wie mir während meines Studiums. Mit dem Berufseinstieg und den ersten Berufsjahren wurde mir jedoch zunehmend bewusst, welche gigantischen Unterschiede das eigene Mindset tatsächlich ausmachen kann. Ein Beispiel: Während einige meiner ehemaligen „Vorzeige-KommilitonInnen“ mit Bestnoten bis heute beruflich auf der Stelle treten und kaum Wertschätzung erfahren, sind viele der eher durchschnittlichen StudentInnen – die dafür aber stets einen hohen Selbstwert an den Tag gelegt haben – mittlerweile raketenartig durchgestartet.

Mein Learning:

Ein gewisses Talent für das, was du tust, ist wichtig. Genauso wichtig ist aber deine innere Einstellung, d. h. dein Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten und in die Möglichkeiten, die dir offenstehen. Du musst dich gern haben, deine Stärken zu schätzen wissen und groß denken, um dir Raum zur Entwicklung und Entfaltung deiner Potenziale zu geben!

Mein Tipp:

 „Groß denken“ – was so einfach klingt, ist in der Praxis längst nicht für jeden ohne Weiteres umsetzbar. Viele sind es so sehr gewohnt, sich gedanklich zu begrenzen und auf mögliche Hindernisse zu fokussieren, dass sich negative Glaubenssätze, wie „Ich werde nie richtig erfolgreich sein“ über die Jahre bei ihnen gefestigt haben. Dabei funktioniert dieser Mechanismus ebenso gut auf positiver Ebene: Je öfter du dir optimistische Gedanken machst, wie „Das schaffe ich locker!“ oder „Darin bin ich gut!“, desto stärker schärfst du auch deine Wahrnehmung für positive Erfahrungen und Erfolge. Diese geben dir ein gutes Gefühl – und erzeugen wiederum neue bekräftigende Gedanken, die deine Wahrnehmung weiter positiv beeinflussen. Du merkst schon: Bei bewusstem und kontinuierlichem Training wird auf diese Weise langsam, aber sicher aus der Abwärts- eine Aufwärtsspirale!

Zusammenfassung

  • Lass dich nicht zu sehr von deinem sozialen Umfeld beeinflussen, wenn du dadurch deine eigenen Bedürfnisse und Ziele aus den Augen verlierst. Lerne stattdessen auf Basis einer intensiven Persönlichkeitsanalyse, mehr auf dich selbst zu hören.
  • Wenn du noch kein konkretes berufliches Ziel vor Augen hast, ist das okay. Solange du deine Entscheidungen bewusst und persönlichkeitskongruent triffst, wirst du step by step deinen richtigen Platz finden.
  • Schränke dich nicht durch dein Mindset ein, sondern entwickle den Mut, groß zu denken und deinen Potenzialen Raum zur freien Entfaltung zu geben!

Es gibt so viele Möglichkeiten – woher weiß ich, dass ich das richtige wähle?

Heutzutage stehen SchülerInnen viel mehr Optionen offen als früher. Das bietet riesige Chancen. Bedeutet aber gleichzeitig auch, dass alle Optionen abgewogen werden müssen …

Video abspielen
close video icon