Stories!

11. Mai 2020

Die Krise als Chance zur persönlichen Entwicklung und (Studien-)Orientierung

Durch die Corona-Pandemie ist unser aller Leben seit Wochen auf den Kopf gestellt. Auch Abiturienten zählen zu den Gruppen, die es im ersten Moment besonders hart trifft: Das ewige Hin und Her bezüglich der Prüfungstermine. Keine Mottowoche. Keine Partys. Kein Abiball. Einfach kein richtiger Abschied und kein Raum fürs Zelebrieren dieses prägenden Ereignisses, das eigentlich der Höhepunkt der gesamten Schullaufbahn werden sollte. All das kann kaum schöngeredet werden – und doch liegt in dieser schwierigen und schmerzlichen Phase, so paradox es erscheinen mag, auch eine positive Chance. Unsere Gründerin, Organisationspsychologin Ragnhild Struss, zeigt auf, wie ihr diese Zeit mit mehr Optimismus betrachten und zur persönlichen Entwicklung sowie zur bewussten (Studien-)Orientierung nutzen könnt.

1. Kontakt zum inneren Kern aufnehmen

Durch die starke Entschleunigung unseres Alltags und die soziale Distanzierung verbringen wir aktuell wieder deutlich mehr Zeit mit uns selbst. Was für viele eine große Umstellung bedeutet, muss jedoch keinesfalls Langeweile und Einsamkeit zur Folge haben. Denn der Wert der Zeit, die wir allein verbringen, bestimmt sich in erster Linie durch die Qualität der Beziehung zu uns selbst. Je besser wir uns selbst kennen und je mehr wir uns in all unseren Facetten wertschätzen, desto besser können wir das Alleinsein aushalten – und im besten Fall sogar richtig genießen.

Während wir uns in unserem „normalen“ Alltag ständig in Ablenkungen durch unser Umfeld verlieren (wollen), bietet sich nun die Chance, in den intensiven inneren Dialog zu treten und unseren eigenen Bedürfnissen und Emotionen wieder mehr Raum zu geben. Wenn wir es ganz bewusst zulassen, eröffnet uns dies den Zugang zu Gefühlen, die wir vielleicht schon lange Zeit ignoriert und in unser Unbewusstsein verbannt haben. Wir können lernen, wieder mehr auf unsere inneren Sehnsüchte zu hören, Dinge zu hinterfragen und etwas zu verändern, statt Unzufriedenheit einfach zu akzeptieren. Das ist es schließlich, was eine gute Beziehung zu uns selbst ausmacht.

2. Selbstsicherheit und positives Mindset entwickeln

Normalerweise schöpfen wir ein hohes Maß an Sicherheit und Kraft aus dem Gefühl, Dinge kontrollieren und vorhersagen zu können. Die aktuelle Krise nimmt uns diese wichtige Stütze – denn was unser Außen betrifft, können wir momentan wenig bis gar nichts kontrollieren. So sind wir zu 100 % darauf angewiesen, die ersehnte Stabilität durch unser Inneres, also unsere mentale Stärke, zurückzugewinnen. Wie das gelingt? Zum einen durch eine authentische Lebensgestaltung. Wenn du die Zeit gezielt nutzt, um Pläne zu entwickeln und Entscheidungen für deine Zukunft zu treffen, wird dich das in deinem Gefühl der Selbstwirksamkeit enorm stärken – dazu aber mehr unter Punkt 3.

Zudem ist es aktuell wichtiger denn je, dir die Kraft deiner eigenen Gedanken bewusst zu machen. Was du denkst, hat einen unmittelbaren Einfluss auf deine Wahrnehmung und deine Gefühlswelt. Und das wiederum kannst du dir gezielt zum Vorteil machen. Anstatt dir ständig die Worst-Case-Szenarien vor Augen zu führen und dich gedanklich in eine Negativspirale zu begeben, solltest du dich fragen, welche positiven Gedanken du dir machen kannst, um angenehme und aktivierende Gefühle zu entwickeln. Zum Beispiel „Durch die Krise habe ich genug Zeit, um zu reflektieren, was ich wirklich will“ oder „Die neuen Herausforderungen werden mich in meinem persönlichen Wachstum voranbringen.“ Lerne, Eigenverantwortung dafür zu übernehmen, wie sich Situationen wie diese auf dein Verhalten sowie dein persönliches Mindset auswirken.

3. Gute und mutige Entscheidungen treffen

Ausnahmesituationen wie die Corona-Pandemie führen dazu, dass wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen: Durch die tägliche Konfrontation mit gravierenden globalen Herausforderungen vergeuden wir deutlich weniger Energie mit dem Ärgern über Belanglosigkeiten, wir kategorisieren unsere Prioritäten neu, rufen uns unsere Werte zurück in Erinnerung und lernen wieder, unsere echten Bedürfnisse sowie all das, was wir haben, wahrzunehmen und zu schätzen. Das schärft unseren Blick für unsere echten Wünsche und Ziele: Wir lassen uns weniger von Trivialitäten beirren und werden folglich selbstbewusster, entschlossener und authentischer in unseren Entscheidungen.

Zudem bringen wir auch mehr Mut für Entscheidungen auf. In einer Situation, in der kaum noch etwas „normal“ ist und fast alle Menschen sich neu aufstellen müssen, richten wir uns weniger nach sozialer Erwünschtheit und der Frage „Was würden die anderen denken?“. Stattdessen können wir uns ganz auf uns selbst konzentrieren und alles in die Waagschale werfen, ohne dass dies von anderen infrage gestellt wird. Und das zahlt sich aus: Viele Menschen sagen im Nachhinein, dass Krisensituationen zwar während des Zeitraums selbst schlimm und beängstigend waren, daraus aber die wertvollsten Entwicklungen ihres Lebens entstanden sind.

Diese positiven Effekte kannst und solltest du dir gezielt für deine Studien- bzw. Berufswahl zunutze machen. Beginne mit einer intensiven und systematischen Selbstreflexion, indem du zum Beispiel die folgenden Fragen schriftlich beantwortest:

  • Wer bin ich?
  • Wer will ich sein?
  • Welches Leben will ich führen?
  • Was erfüllt mich?
  • Was sind meine Werte? Wonach richte ich mein Handeln aus?
  • Wo liegen meine Talente und Fähigkeiten?
  • Was motiviert mich dazu, Leistung zu bringen?
  • Was würde ich tun, wenn weder Angst noch Geld eine Rolle spielen würden?
  • Welche Erkenntnisse kann ich daraus für eine mögliche realistische Zukunftsgestaltung ableiten?

Nachdem du alle Fragen in Ruhe beantwortet und eine Weile auf dich wirken lassen hast, gilt es, die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen und daraus abzuleiten, welches Studium für deine Persönlichkeit besonders geeignet ist. Eine genauere Anleitung hierzu kannst du in unserem Artikel „Welches Studium passt zu mir?“ nachlesen.

Der Zeitpunkt für die Umsetzung deiner Ziele wird kommen

Selbst wenn aufgrund der aktuellen Einschränkungen nicht all deine Wünsche und Pläne direkt in die Tat umgesetzt werden können: Lass dich in deiner Entscheidungsfindung nicht durch äußere Faktoren (irre)leiten. Sofern du aus tiefster Überzeugung hinter deinen Zielen stehst, werden sich auch Wege finden, um diese früher oder später zu realisieren. Wenn du die Zeit jetzt für deine Studienorientierung und erste Karriereentscheidungen nutzt, bringt das nicht nur die oben genannten Vorteile der Klarheit und des Mutes mit sich: Eine Vision deiner Zukunft wird dir zudem einen gigantischen Motivationsschub verpassen, der dir dabei hilft, die Krise gestärkt und mit einem optimistischen Blick auf alles, was kommt, zu überstehen

Es gibt so viele Möglichkeiten – woher weiß ich, dass ich das richtige wähle?

Heutzutage stehen SchülerInnen viel mehr Optionen offen als früher. Das bietet riesige Chancen. Bedeutet aber gleichzeitig auch, dass alle Optionen abgewogen werden müssen …

Video abspielen
close video icon