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24. Juni 2019

Medizin studieren ohne perfektes Abi: So steigerst du deine Chancen

Der Ansturm auf Studienplätze im begehrten Fach Medizin ist groß - dementsprechend hoch sind auch die Anforderungen an die Bewerber. An fast allen staatlichen Universitäten in Deutschland liegt der NC für Humanmedizin mittlerweile bei 1,0. In manchen Fällen hat man aber auch ohne diesen "Traum-Abischnitt" Chancen auf einen Studienplatz: zum Beispiel durch die beiden Medizinertests TMS und HAM-Nat. Alle Infos zu den beiden Tests und Tipps zur Vorbereitung findest du in diesem Beitrag.

Wer an deutschen Hochschulen Human- oder Zahnmedizin studieren möchte, braucht in der Regel einen sehr guten Abi-Durchschnitt – bei Humanmedizin liegt er bei 1,0 oder 1,1 – oder muss sich auf sehr viel Wartezeit einstellen. Für Humanmedizin wartet man mittlerweile 15 Semester auf einen Studienplatz. Es besteht jedoch die Chance, seinen Schnitt zu verbessern, um direkt nach dem Abitur mit dem Medizinstudium loszulegen: und zwar mithilfe des HAM-Nat oder des TMS, die wir im Folgenden vorstellen.

DER TMS: TEST FÜR MEDIZINISCHE STUDIENGÄNGE

Wie läuft der Test ab? Für den TMS muss man sich zunächst bewerben: Die Bewerbungsphase findet vom 1. Dezember bis zum 15. Januar jedes Jahres statt. Der Test selbst erfolgt im Mai. Er wird an verschiedenen Hochschulen für Humanmedizin oder Zahnmedizin berücksichtigt. Für Humanmedizin kommen dabei etwa 23 Hochschulen infrage, bei Zahnmedizin sind es 16 Hochschulen.

Worum geht es beim TMS? Der TMS ist ein Test, der Studierfähigkeit misst. Die Teilnehmer müssen also unter Beweis stellen, wie gut sie sich neues Wissen aneignen können. Es werden dabei keine Inhalte bestimmter Fächer abgefragt, sondern zum Beispiel die Merk- und Lernfähigkeit der Absolventen getestet.

Wie bereitet man sich am besten auf den TMS vor? Die Vorbereitung auf den TMS ist tatsächlich etwas schwierig, da man keine speziellen Aufgaben oder Inhalte lernen kann. Hilfreich ist es aber, vorab seine Merkfähigkeit zu trainieren. Auch sinnvoll: sich online die Aufgaben der vergangenen Jahre ansehen, um sich einen Überblick über den Testtag zu verschaffen. Es ist in jedem Fall gut, zu wissen, was einen an diesem Tag erwartet, um so gelassen wie möglich an den Test herangehen zu können und nicht total überrascht zu werden. Anhand der Aufgaben, die online verfügbar sind, kann im Vorfeld auch ein wenig trainiert werden. Wir empfohlen eine Vorbereitungszeit von etwa 30 bis 40 Stunden. Eine noch längere Vorbereitung kann sich unter Umständen sogar kontraproduktiv auswirken. Am wichtigsten ist es einfach, ausgeschlafen und ausgeruht zum Testtag zu erscheinen.

Wie wird der TMS bewertet? Das hängt immer von der jeweiligen Hochschule ab: Zum Teil kann man seinen Schnitt aber um bis zu 0,8 Punkte steigern. Hat man also beispielsweise einen Notendurchschnitt von 2,0 und schneidet im TMS sehr gut ab, wird einem bei der Bewerbung an einer entsprechenden Hochschule ein Schnitt von 1,2 zugewiesen - womit man gute Chancen auf einen Medizin-Studienplatz hat. Es zeigt aber auch: Bei Abiturienten mit einem schlechteren Abschluss als 2,0 kann auch ein sehr gut abgeschlossener TMS womöglich nicht helfen, da ihr Schnitt selbst bei einer Erhöhung um 0,8 noch nicht ausreicht, um einen Medizin-Studienplatz zu bekommen. In diesem Fall müsste also beispielsweise noch ein Dienst angetreten oder eine Ausbildung abgeschlossen werden, um die eigenen Chancen zu verbessern.

Was muss außerdem beachtet werden? Den TMS kann jeder Bewerber nur ein einziges Mal absolvieren – er ist nicht wiederholbar.

DER HAM-NAT: HAMBURGER NATURWISSENSCHAFTSTEST

Wie läuft der Test ab? Der HAM-Nat wird - mindestens einmal im Jahr - an drei Hochschulen in Deutschland durchgeführt: an der Charité Berlin, an der Uni Hamburg und an der Uni Magdeburg. Der Test findet an allen drei Hochschulen am selben Tag im August statt. In Berlin gibt es noch einen zusätzlichen Testtermin im Februar, da dort auch der Studienstart zum Sommersemester möglich ist. Anders als beim TMS meldet man sich für den HAM-Nat nicht an, sondern wird dazu eingeladen. Damit dies überhaupt geschieht, muss man bereits einen bestimmten Abi-Durchschnitt vorweisen. Die Charité Berlin lädt einen als Bewerber für Humanmedizin dann ein, wenn man einen Schnitt von mindestens 1,5 hat. In Hamburg und Magdeburg genügt ein Schnitt von 1,8, aber in Magdeburg muss man zusätzlich einen Dienst abgeschlossen haben. Als Bewerber für Zahnmedizin lädt die Charité in Berlin Abiturienten ein, die einen Schnitt von mindestens 1,9 vorweisen können. An der Uni Hamburg reicht ein Schnitt von 2,1 aus.

Worum geht es beim HAM-Nat? Im HAM-Nat wird das Wissen der Bewerber zu medizinisch relevanten Themen aus den Bereichen Physik, Chemie, Biologie und Mathematik abgefragt. Die Teilnehmer müssen in 120 Minuten 80 Multiple-Choice-Fragen beantworten.

Wie bereitet man sich am besten auf den HAM-Nat vor? Wie viel Zeit man für die Vorbereitung benötigt, hängt in hohem Maße vom individuellen Teilnehmer ab – also zum Beispiel davon, wie gut und wie schnell jemand lernt und welchen Wissensstand er bereits in der Schule erlangt hat. Empfohlen wird jedoch im Allgemeinen eine Vorbereitungszeit von etwa vier Monaten. Man sollte sich also gut überlegen, ob man den Test bereits wenige Monate nach dem Abi absolvieren möchte oder sich erst im nächsten Semester bzw. nächsten Jahr für das Medizin-Studium bewirbt. Auch für den HAM-Nat finden sich auf den Seiten der Hochschulen Beispielfragen. Es ist sinnvoll, sich die Fragen einmal vorab durchzulesen, um sich besser auf den Testtag einstellen zu können. Empfehlenswert ist es außerdem, anhand von Büchern, kommerziellen Kursen oder Onlineportalen für die einzelnen Fachbereiche zu lernen.

Wie wird der HAM-Nat bewertet? Wie der TMS wird auch der HAM-Nat von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich bewertet. Letztendlich gehen die Teilnehmer bei allen drei Hochschulen mit ihrer Abiturnote und dem HAM-Nat-Ergebnis wieder neu ins Rennen.

Was muss außerdem beachtet werden? Beim HAM-Nat gibt es noch eine Besonderheit: nämlich der HAM-Int. Mit diesem Zusatztest haben alle nicht direkt angenommenen, aber auch nicht direkt ausgeschiedenen Teilnehmer die Möglichkeit, sich für das Medizinstudium zu qualifizieren. In diesem Fall werden sie zu einem weiteren Testtag eingeladen, der insgesamt fünf Stunden dauert. Hier spielt jeder Bewerber acht Szenarien nach, die jeweils fünf Minuten dauern, um auf diese Weise seine psychosozialen Kompetenzen zu testen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Aufgaben: Zum Beispiel werden Gespräche nachgespielt, in denen der Teilnehmer virtuelle Patienten beraten und ihnen zum Teil schwierige Sachverhalte erklären soll. Für diese Aufgaben ist eine Vorbereitung weder notwendig noch empfehlenswert. Der Bewerber sollte nämlich nicht künstlich oder versteift wirken, sondern sich spontan und authentisch in der jeweiligen Situation mit den Fragen auseinandersetzen. Die beste Vorbereitung ist es daher auch hier, ausgeruht und ausgeschlafen zum Test zu erscheinen.

Wir wünschen euch allen ganz viel Erfolg bei der Bewerbung!

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