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01. Juli 2019

Perspektiven für Geisteswissenschaftler

Stellenanzeigen wie „Philosoph (w/m/d) gesucht“ liest man selten, während man sich mit Fragen wie „Was willst du mit Kulturwissenschaften überhaupt später mal machen?“ deutlich häufiger konfrontiert sieht. Viele Studierende von geisteswissenschaftlichen Fächern müssen sich solche Fragen von Freunden, Verwandten und Bekannten anhören. Die Antwort lautet oft: „Man kann alles und nichts damit machen“. Die stille, ehrliche Antwort, die man womöglich nur sich selbst gibt, lautet jedoch häufig: „Ich weiß eigentlich gar nicht, ob ich überhaupt irgendwas damit machen kann.“ Auch wenn man sich bereits bei der Bewerbung und während der gesamten Studienzeit um seine Zukunft sorgt - die größten Zweifel machen sich am Studienende breit. Den stereotypischen Werdegang zum Taxifahrer sollte man sich dabei nicht als einzige Jobperspektive einreden lassen.

Natürlich müssen sich Geisteswissenschaftler darüber im Klaren sein, dass ihr Studium nicht mit einer Berufsausbildung oder „klassischen“ Studiengängen wie Medizin oder Jura gleichzusetzen ist. Medizinstudenten werden Arzt, Juristen werden Anwälte und wer Lehramt studiert, wird Lehrer - ganz so simpel ist es natürlich nicht! Auch bei diesen Studiengängen gibt es alternative Berufsfelder, in deren Richtung sich die Absolventen orientieren können. Und genauso ist es eben bei den Geisteswissenschaftlern. Die gute Nachricht: Die Berufschancen für diese Absolventen steigen!

FAKTEN

Von den etwa 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland belegen rund 370.000 geisteswissenschaftliche Studienfächer: zum Beispiel Philosophie, Geschichte, Germanistik, Soziologie oder Kulturwissenschaften. Die Auswahl ist riesig, denn von insgesamt 19.000 Studiengängen sind 6.000 in den Geisteswissenschaften angesiedelt.

DER KLASSISCHE WEG

Viele der 370.000 Studenten zielen auf eine Hochschulkarriere ab. Dieser Weg gilt als die klassische Laufbahn eines Geisteswissenschaftlers schlechthin. Wer sich für diese Karriere begeistert, der sollte vor allem zwei Dinge mitbringen: augeprägtes wissenschaftliches Interesse und gute Noten. Als Türöffner dienen zudem eine Promotion und eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Zudem sollten die Studenten frühzeitig damit beginnen, sich ein Netzwerk aus Professoren und Dozenten aufzubauen.

Neben der Hochschulkarriere sind weitere klassische Berufswege für Geisteswissenschaftler zum Beispiel der Einstieg in die Bereiche Kultur, Medien und Bildungswesen. Nach dem Hochschulstudium ist oft auch das Volontariat eine gute Option: Mit dieser Zusatzausbildung können Absolventen im Verlagswesen, bei Zeitungen oder auch in der Erwachsenenbildung tätig werden.

ALTERNATIVEN IN FACHFREMDEN BRANCHEN

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes neigt knapp die Hälfte der geisteswissenschaftlichen Absolventen zu Laufbahnen in fachfremden Branchen. Hierfü bieten sich beispielsweise Berufe in der Wirtschaft, bei Unternehmen und Banken an, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, der Personalabteilung oder im Marketing. Zu weiteren Tätigkeitsfeldern zählen Kommunikation und Informationsvermittlung – unabhängig davon, ob in Unternehmen, Behörden, Forschungsinstituten oder NGOs.

DIE FRAGE LAUTET ALLERDINGS: WIE GEHE ICH DIESEN WEG?

Die einfache Antwort: mit Zusatzqualifikationen. Um einen optimalen Berufseinstieg zu meistern, sollten sich Studenten mit Spezialisierungs- und Kombinationsmöglichkeiten vertraut machen. Es ist daher empfehlenswert, während des Studiums möglichst viele Praktika zu absolvieren. So sammeln Studierende nicht nur Berufserfahrung – sie können auch Kontakte knüpfen, ein Netzwerk aufbauen und sich spezialisieren. Dabei ist es wichtig, flexibel zu bleiben und sich auch für neue Möglichkeiten und Richtungen zu öffnen. Mit einer offenen Einstellung lernen sie weitere Bereiche kennen, in denen sie ihre Kompetenzen anwenden und ausbauen können. Auch zu empfehlen: die Erstellung einer MindMap, in der Studierende ihre Berufserfahrungen, Fähigkeiten und mögliche Stellenausschreibungen zusammentragen können. Regelmäßige Brainstormings und gründliche Recherche helfen dabei herauszufinden, welche Zusatzqualifikationen in welchen Berufsfeldern gefragt sind.

DAS GROSSE PLUS: GEISTESWISSENSCHAFTLER SIND FLEXIBEL

Neben gefragten Soft Skills, wie zum Beispiel

  • Logisches Denkvermögen
  • Organisationstalent
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Empathie

kommt heute vor allem die Fähigkeit, sich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten, gut an. Geisteswissenschaftler arbeiten in der Regel organisiert und können sich dank ihrer Flexibilität schnell in neue Aufgabengebiete "reinfuchsen". Das macht sie vielfältig einsetzbar. Unter anderem sind folgende alternative Berufsfelder für Geisteswissenschaftler denkbar:

  • (Online-)Marketing
  • Social-Media-Marketing
  • (Online-)Journalismus / Content-Management
  • Unternehmenskommunikation
  • Internet-Scouting
  • Projektmanagement
  • PR
  • Human Resources
  • E-Learning Consulting

Für die vielfältigen Berufe empfehlen sich entsprechende Weiterbildungen. Bachelor- oder Masterabsolventen können sich zum Beispiel mit Photoshop-, InDesign-, Programmier- oder Marketingkurse spezialisieren und ihre Skills erweitern.

Was wir abschließend festhalten möchten: Geisteswissenschaftler sollten sich im Idealfall früh damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten sie haben und welche sie am meisten ansprechen. So können sie die Richtung ihrer (Weiter-)Bildung entsprechend lenken und trotz ihres offenen Studiums konkrete Ziele verfolgen. Aber auch, wer erst im Laufe des Studiums oder in den letzten Semestern feststellt, wohin die Reise gehen soll, kann von der Offenheit des Studiums profitieren – und sich zum Beispiel von diesen außergewöhnlichen Berufsfeldern inspirieren lassen:

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