25. Februar 2021

Warum studieren so viele das Gleiche wie ihre Eltern?

Bei der Frage „Was soll ich studieren?“ scheinen sich viele Abiturient*innen an ihren Eltern zu orientieren und einfach die gleiche Wahl zu treffen. Toni Knows verrät dir, wieso das so häufig vorkommt und welche Chancen, aber auch Gefahren dabei auftreten.

Die meisten von uns kennen Fälle, in denen mehrere Generationen oder sogar mehrere Geschwister das Gleiche studiert haben und später im gleichen Beruf arbeiten. Da gibt es Familien, in denen alle Lehrer, Mediziner, Unternehmer oder Juristen sind, typische Schauspieler- oder Künstlerfamilien oder auch Naturwissenschaftler und Forscher. Woran liegt das – und ist das immer empfehlenswert?

„Welcher Studiengang passt zu mir?“ – 3 Gründe, warum wir in die Fußstapfen unserer Eltern treten

Grund 1: Wir sind unseren Eltern ähnlich

Nicht nur vererben sich bestimmte Eigenschaften, Veranlagungen und Talente von unseren Eltern auf uns. Vor allem im Rahmen der Erziehung werden wir stark von ihnen geprägt. Kinder entwickeln oft ähnliche Weltanschauungen, Werte und Interessen wie ihre Eltern. Wenn zum Beispiel schon immer vermehrt über Politik gesprochen wird, die Familie bei jedem Ausflug ins Grüne verschiedene Tier-und Pflanzenarten aufzählt oder alle immer gemeinsam musizieren, fließen diese Erfahrungen in die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und in spätere Vorlieben bei der Studienwahl ein. Auf dieser Grundlage in die Fußstapfen unserer Eltern zu treten ist naheliegend und ein guter Grund.

Grund 2: Wir haben als Kinder viel Einblick in die Arbeit der Eltern erhalten

In vielen Fällen erleben Kinder hautnah den Arbeitsalltag ihrer Eltern mit: wie die Arbeitszeiten sind, welche Herausforderungen und Probleme es gibt, aber auch, was besonders spannend an dem Beruf ist und Freude bereitet. Wenn wir uns auf dieser Basis dafür entscheiden, den gleichen Studienweg wie unsere Eltern einzuschlagen, haben wir bereits ein sehr klares, realistisches Bild von dem späteren Beruf. Insofern kann diese Erfahrung ein wertvoller Vorteil sein, weil wir ziemlich genau wissen, was auf uns zukommt – und ob wir uns dem aussetzen möchten.

Grund 3: Unsere Eltern stellen Ansprüche und Erwartungen an uns

Leider ist es nicht die Regel, dass Eltern ihr Kind komplett zur freien Entfaltung ermutigen. Oftmals haben sie bestimmte Vorstellungen davon, was der Sohn oder die Tochter im besten Falle studieren sollten – diese sind von ihren eigenen Glaubenssätzen, Werten oder Ängsten geprägt. So hört man beispielsweise immer wieder, dass Kind solle etwas „Handfestes“ lernen, sich für einen sicheren beruflichen Weg entscheiden oder eben am besten das Gleiche machen wie seine Eltern. Manchmal projizieren Eltern auch ungelebte Träume auf ihr Kind: „Hoffentlich wird es mal erfolgreicher als ich im gleichen Job!“ oder „Wenn ich schon damals nicht Jura studieren durfte, soll mein Kind das jetzt wenigstens tun.“. Achte bei deiner Studienwahl unbedingt darauf, dich nicht von solchen Erwartungen, die manchmal auch nur indirekt mitschwingen, unter Druck setzen und von deiner inneren Stimme abbringen zu lassen.

Checkliste: Treffe ich meine Studienwahl aus dem Inneren heraus?

Du fragst dich, ob du bei der Frage „Was soll ich studieren?“ aus innerer Motivation heraus entscheidest oder dich vielleicht zu sehr von der Laufbahn oder den Erwartugen deiner Eltern beeinflussen lässt? Wenn du die folgenden Aussagen mit „Ja“ beantworten kannst, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Je mehr Antworten du mit „Nein“ beantwortest, desto wichtiger wäre es, dass du die Motive für deine Studienwahl noch einmal überdenkst. 

  • Meine Eltern haben mir die freie Wahl gelassen, was ich studieren möchte.
  • Ich würde meinen Studiengang auch wählen, wenn meine Eltern ihn nicht studiert hätten.
  • Ich habe mich nicht unter Druck gesetzt gefühlt, meinen Studiengang zu ergreifen.
  • Ich finde es schön bzw. es macht mir nichts aus, dass meine Eltern und ich ähnliche Interessen haben.
  • Ich studiere nicht nur das Gleiche wie meine Eltern, weil es mir wie der „einfachste“ Weg vorkommt bzw. bequem ist.
  • Ich habe gründlich darüber nachgedacht, was ich studieren möchte und welcher Studiengang wirklich zu mir passt.
  • Meine Eltern sind stolz auf mich, ganz egal, was ich studiere.

Vor- und Nachteile, wenn du das Gleiche wie deine Eltern studierst

Du hast die Frage „Welcher Studiengang passt zu mir?“ mit dem gleichen Studium beantwortet, für das sich bereits deine Eltern entschieden haben? Dann sei dir über die Vor- und Nachteile dieser Entscheidung bewusst, um dir ganz sicher bei deiner Wahl zu sein.

Vorteile

  • Deine Eltern können dich bei inhaltlichen Fragen und Problemen unterstützen.
  • Du profitierst von ihrem Erfahrungsschatz im Beruf, wenn du mit Arbeiten beginnst.
  • Du kannst wahrscheinlich auf Kontakte und Beziehungen deiner Eltern zurückgreifen.
  • Deine Eltern und du habt ein gemeinsames Interessensfeld, was euch immer verbinden kann.
  • Eltern freuen sich oft besonders, wenn ihr Kind in ihre Fußstapfen tritt. Das kann euer Verhältnis sehr positiv und innig werden lassen.
  • Du kannst möglicherweise von eurem bereits etablierten Familien- oder Markennamen profitieren.

Nachteile

  • Deine Eltern mischen sich vielleicht zu sehr in dein Studium oder deinen Beruf ein und „wissen alles besser“.
  • Du bist mitunter Vorurteilen ausgesetzt, zum Beispiel schätzen dich Menschen, die beruflich mit deinen Eltern zu tun hatten, von Anfang an ähnlich ein.
  • Je nachdem, was für einen Ruf deine Eltern in ihrer Branche genießen, werden sehr hohe Erwartungen an dich gestellt – oder eben sehr niedrige. 
  • Dir können negative Bewertungen begegnen, zum Beispiel, du würdest es dir zu einfach machen und von „Papas Kontakten“ profitieren. Davon wirst du dich abgrenzen müssen.
  • Auch das gleiche Studium und Beruf können zu Disharmonie in der Familie führen, etwa weil eure inhaltlichen Ansichten sehr auseinandergehen oder ihr gar miteinander konkurriert.

Fazit

Es gibt diverse Gründe, warum Kinder das Gleiche wie ihre Eltern studieren. Wichtig ist nur, dass du deine Studienwahl anhand deiner eigenen Persönlichkeit, deinen Begabungen und deiner inneren Stimme triffst. Während manche Abiturient*innen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, um diesen zu gefallen, grenzen sich andere übertrieben ab und studieren nach dem Motto „Hauptsache etwas ganz anderes als meine Eltern!“ vielleicht nicht das, was eigentlich ihren Interessen entspricht. Beide Extreme solltest du vermeiden, sondern wirklich in dich hineinhören, zu welchem Studium es dich hinzieht. 

Du bist noch unsicher, was du studieren willst? Der fundierte Toni Knows Studienwahltest hilft dir bei der Entscheidung.

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