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17. Juni 2019

Wege nach dem Psychologiestudium: Karriere auf und abseits der Couch

Einen Patienten auf die berühmte "Couch“ zu bitten und ihn irgendwie zu therapieren: Bei den meisten ist das die erste Assoziation, wenn sie an psychologische Berufe denken. Dabei eröffnet das Psychologiestudium Absolventen eine viel breitere Palette möglicher Karrierewege – auch abseits der Couch. Welche verschiedenen Perspektiven es gibt, zeigen wir in diesem Beitrag auf. Da es nach wie vor der „Klassiker“ ist, beginnen wir mit dem Berufsfeld der Psychotherapie.

Psychotherapie: Beim Beruf des Psychotherapeutenn stehen die Diagnose und die therapeutische Behandlung psychischer Störungen und Krankheiten im Mittelpunkt – ganz, wie man sich das vorstellt also. Dabei gibt es auch in diesem Berufsbild Unterscheidungs- und Auswahlmöglichkeiten: So können Psychotherapeuten nicht nur in privaten Praxen, sondern auch in öffentlichen Einrichtungen, in Kliniken oder Beratungsstellen arbeiten. Außerdem lässt sich zwischen verschiedenen Bereichen unterscheiden: Psychotherapeuten können sich zum Beispiel auf die Therapie von Suchtkrankheiten, Depressionen oder Partnerschaftskonflikten spezialisieren. Alternativ besteht die Möglichkeit, eine Zusatzausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zu absolvieren, um speziell junge Menschen therapeutisch begleiten und unterstützen zu können.

Was vielen Studienanfängern oder -interessierten nicht klar ist: Ein abgeschlossenes Bachelor- und Masterstudium der Psychologie reicht noch nicht aus, um als Psychotherapeut arbeiten zu können. Dafür ist nämlich eine anschließende 3- bis 5-jährige Therapieausbildung erforderlich, die kostenpflichtig ist und in Voll- oder Teilzeit absolviert werden kann. Das bedeutet, man arbeitet in dieser Zeit zwar schon als Therapeut, besucht nach der Arbeit oder an den Wochenenden aber zusätzlich entsprechende Seminare.

Klinische Psychologie: Mit einem Master in klinischer Psychologie ohne zusätzliche Therapeutenausbildung besteht ebenfalls die Möglichkeit, psychische Störungen zu diagnostizieren und zu behandeln: zum Beispiel in Kliniken, in der klinischen Forschung, in Gesundheitsämtern oder Beratungsstellen. Grundsätzlich können klinische Psychologen zudem auch in therapeutischen Einrichtungen ähnliche Stellen besetzen wie Psychotherapeuten. Ihre Perspektiven sind jedoch deutlich schlechter, da Absolventen mit Zusatzausbildung weitaus stärker gefragt sind. Darüber hinaus besteht für klinische Psychologen die Möglichkeit der Selbstständigkeit - zum Beispiel als Berater, Trainer oder Coach. Im Unterschied zum Psychotherapeuten dürfen sie dann in der eigenen Praxis jedoch keine Psychotherapie anbieten.

Was oft verwechselt wird: Psychiater wird man nicht mit einem Psychologie-, sondern mit einem Medizinstudium. Außerdem gehören eine psychiatrische und psychotherapeutische Facharztausbildung zu den Voraussetzungen, um diesen Beruf auszuüben. Im Unterschied zum Psychotherapeuten betrachtet und behandelt der Psychiater psychische Erkrankungen aus medizinischer Sicht: Das heißt, es steht eher der menschliche Körper und seine Erkrankungen im Fokus und nicht so sehr das menschliche Erleben und Verhalten. Ein Psychiater diagnostiziert Krankheiten und behandelt sie auch – im Gegensatz zu einem Psychotherapeuten ist er dabei befugt, Medikamente zu verschreiben.

Arbeits- und Organisationspsychologie: Arbeits- und Organisationspsychologen arbeiten vorwiegend in Wirtschaftsunternehmen oder Unternehmensberatungen. Dort sind sie zumeist in Personalabteilungen tätig und zum Beispiel für die Personalauswahl, die Einführung von Management- und Führungsinstrumenten oder die Organisation von Schulungen verantwortlich. Sie stellen sicher, dass die Mitarbeiter zum Unternehmen passen, und schaffen eine Atmosphäre, welche die Effizienz der gemeinsamen Arbeit und die Zufriedenheit der Mitarbeiter fördert.

Markt- und Meinungsforschung: Im Psychologiestudium befasst man sich intensiv mit empirischer Forschung, also mit Untersuchungen anhand von systematisch gesammelten Daten: Man lernt, Fragen richtig und strategisch zu stellen und Daten zu erheben und auszuwerten. Ein weiteres beliebtes Feld für Absolventen ist deshalb die Markt- und Meinungsforschung. Hier werden die Einstellungen, Gewohnheiten und Verhaltensweisen von Menschen – zum Beispiel ihr Konsumverhalten und das Vorgehen bei Kaufentscheidungen – erforscht. Wem der Umgang mit Zahlen, Statistiken und deren Auswertung Spaß macht, der ist hier gut aufgehoben.

Marketing, Kommunikation und Medien: Viele Theorien, die in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Medien Anwendung finden, stammen aus der Psychologie. Daher sind Absolventen dieses Faches auch überall dort gefragt, wo man die Wirkung von Medien und Informationen auf den Menschen verstehen und Marketing- oder Kommunikationsmittel entsprechend gestalten möchte. Vor allem für kreative Köpfe ist dies ein spannendes und weites Feld!

Forschung und Lehre: Eine weitere tolle Möglichkeit für Psychologie-Absolventen ist eine Karriere in der Wissenschaft. Diese beginnt in der Regel mit einer Promotion – geforscht werden kann anschließend an Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder in der freien Wirtschaft. An Hochschulen und Universitäten gehören neben der Forschung meist auch Lehrtätigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten dazu. Nach der Promotion kann zum Beispiel eine Professur das nächste Ziel sein: Wer mehrjährig als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet, geforscht und anerkannte Arbeiten veröffentlicht hat, kann in diesen Rang erhoben werden.

Forensische Psychologie und Rechtspsychologie: Wer in diesem Bereich arbeitet, entwickelt zum Beispiel Täterprofile oder betreut Polizisten nach schwierigen Einsätzen. Als Rechtspsychologe erstellt man zudem Gutachten bei Gerichtsprozessen und betreut Zeugen und Prozessteilnehmer. In Justizvollzugsanstalten können Psychologen auch Aufgaben in den Bereichen Diagnostik – also der Ermittlung von Krankheitsbildern – und entsprechender Therapie übernehmen.

Pädagogische Psychologie: In diesem Bereich geht es primär um Bildung und Erziehung: So gehört beispielsweise die Entwicklung und Einführung neuer Unterrichtskonzepte zu den typischen Aufgaben eines pädagogischen Psychologen. Schulpsychologen erstellen darüber hinaus Gutachten zur Schullaufbahnberatung und führen Seminare und Schulungen für Lehrer durch. Auch Beratungsstellen, Kinder- und Jugendheime sowie andere soziale Einrichtungen sind geeignete Arbeitsumgebungen für pädagogische Psychologen, die dort ihre Hilfe anbieten. Ebenso können beratende Aufgaben im Bereich Erwachsenenbildung übernommen werden.

Verkehrspsychologie: Ja, das gibt es tatsächlich! Die Verkehrspsychologie ist ein gutes Beispiel dafür, wie groß und überraschend das Feld der Psychologie ist. Verkehrspsychologen befassen sich mit psychologischer Grundlagenforschung im Bereich des Verkehrsverhaltens und lassen die Ergebnisse in die Beantwortung praktischer Fragestellungen einfließen. Dazu gehören beispielsweise die Erforschung von Unfallursachen und die Mitarbeit bei der Planung von Straßenführungen.

Neben diesen großen Bereichen gibt es auch ein paar Nischen, in denen Psychologen gefragt sind:

In der Sportpsychologie geht es um das reibungslose Zusammenspiel von Körper und (Sports-)Geist. Sportpsychologen unterstützen Leistungssportler zum Beispiel bei der Gestaltung ihres Trainingsplans und coachen sie zudem hinsichtlich ihrer Motivation und mentalen Stärke.

Politische Psychologen befassen sich mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, forschen beispielsweise im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung oder in der Politikberatung.

Umwelt- oder Ökopsychologen nehmen die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt unter die Lupe: zum Beispiel die Einflüsse der Umwelt auf den Menschen – und umgekehrt – oder die Einstellung von Menschen zu Aspekten des Umweltschutzes. Eine wichtige Aufgabe ist es, das Umweltbewusstsein zu erhöhen und ein ökologisches Lebensumfeld zu gestalten.

Diese Auflistung bietet nur einen groben Überblick über die Tätigkeitsfelder, in denen Psychologie-Absolventen generell eingesetzt werden können. Jeder dieser Bereiche bietet wiederum eine große Bandbreite möglicher Aufgaben. Also: Wer sich für ein Psychologiestudium entscheidet, hat noch keinen beruflichen Wg in Stein gemeißelt, sondern kann sich im Laufe der nächsten Jahre langsam auf einen Beruf spezialisieren.

Es gibt so viele Möglichkeiten – woher weiß ich, dass ich das richtige wähle?

Heutzutage stehen SchülerInnen viel mehr Optionen offen als früher. Das bietet riesige Chancen. Bedeutet aber gleichzeitig auch, dass alle Optionen abgewogen werden müssen …

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